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Knospenheilkunde – Gemmotherapie

  • 16. März 2025
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Apr.

Ich gebe es zu: Ich bin ein wahrer Knospen-Fan. Deshalb geht es heute um die Nutzung der Heilkraft der Knospen, nachdem es in meinem letzten Knospen-Post um essbare Knospen und ihrem kulinarisch-gesundheitlichem Wert ging.  


Wunderschön - die weibliche Blütenknospe des Haselstrauchs, aus der die roten Blattnarben herausragen.
Wunderschön - die weibliche Blütenknospe des Haselstrauchs, aus der die roten Blattnarben herausragen.

Knospen sind das Wertvollste

Gemma ist das lateinische Wort für Knospe. Es bedeutet auch Edelstein, Juwel.

Für die Knospenheilkunde, also für die Gemmotherapie, wird das Wertvollste und Edelste der Pflanze verwendet.

 

Wann wachsen Knospen?

Knospen wachsen nicht erst im Frühjahr. Sie sind bereits ab Spätsommer als kleine Ausstülpungen zu sehen, sie wachsen an Wachstumspunkten von Pflanzen. Weil sie von Blattschuppen schützend umhüllt sind, können sie Herbst und Winter gut überstehen. In der neuen Vegetationsperiode entwickeln sich die Knospen zu Trieben, Blättern und Blüten. Oft werden sie auch als die Augen der Pflanzen bezeichnet.

 

Knospen sind geballte Heilkraft

 Die schwarzen Knospen der Esche sind unverwechselbar. Diese Knospe ist gerade dabei sich zu öffnen.
 Die schwarzen Knospen der Esche sind unverwechselbar. Diese Knospe ist gerade dabei sich zu öffnen.

In den Knospen ist dicht zusammengedrängt und noch unentwickelt das neue Leben der ganzen Pflanze enthalten. Denn vor dem Aufbrechen der Knospe ist die komplette genetische Information der Stammpflanze in den Knospenzellen versteckt. Es handelt sich um sogenanntes omnipotentes „Embryonalgewebe“ mit ganz besonderen Inhaltsstoffen und Heilwirkungen, die in diesem Umfang in den ausgebildeten Pflanzenteilen nicht mehr zur Verfügung stehen.


Die wertvollen Inhaltsstoffe der Knospen

Die Inhaltsdichte in den Knospen ist besonders groß, sie enthalten:

1. teilungsaktive Gene,

2. einen hohen Anteil an Proteinen,

3. Wachstumshormone,

4. Phytohormone,

5. Enzyme,

6. viele sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe (ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, Anthocyane, Saponine)

7. sowie Harze, Mineralstoffe und Vitamine.

 

Knospenheilkunde ist schon alt

Seit mehreren tausend Jahren werden Knospen für Heilzwecke verwendet. Zum Beispiel werden die Pappelknospen bereits seit der Antike medizinisch genutzt. Die Pappelknospensalbe (Unguentum Populi) war berühmt für ihre wundheilende Wirkung. Auch heute noch ist diese entzündungshemmende Salbe ein wichtiger Bestandteil in der Hausapotheke.

Die duftenden Pappelknospen sind von rotbraunen, zugespitzten, harzigen Knospenschuppen umgeben.
Die duftenden Pappelknospen sind von rotbraunen, zugespitzten, harzigen Knospenschuppen umgeben.

Auch die Äbtissin und Heilkundige Hildegard von Bingen (1098–1179) schätzte die Heilkraft der Knospen. In ihren Büchern gibt sie unter anderem Informationen zur Anwendung der Knospen von Apfelbaum, Birke, Esche, Esskastanie, Haselstrauch, Heckenrose, Linde, Pappel und der schwarzen Johannisbeere.


Die Erforschung von Gemmoextrakten

Eine Art Wiederentdeckung der Knospen erfolgt durch die gezielte Erforschung von Knospenextrakten durch den belgischen Arzt und Naturforscher Dr. Pol Henry (1918 - 1988). Er macht erstaunliche Erfahrungen mit der gesundheitsfördernden Wirkung von Auszügen, die pflanzliches Embryonalgewebe enthalten und beginnt in den 1950er Jahren wissenschaftliche Studien zu veröffentlichen.


 „Der Wald ist ein Lebensquell, aber ein wenig bekannter therapeutischer Brunnen“

(Dr. Pol Henry)


Henry stellt fest, dass die übliche Herstellung von Tinkturen mit Alkohol die empfindlichen Embryonalzellen zerstört. Er verwendet daher als Auszugsmittel für die Knospen, Wurzeln- oder Triebspitzen-Mazerate ein Gemisch aus Alkohol, Glycerin und Wasser. 


Forschungen, klinische Studien und Publikationen führen zur Verbreitung und Anerkennung der Knospenheilkunde, die Henry als "Phyto-Embryotherapie" bezeichnet. Insbesondere in Frankreich, Belgien und Italien wird auch von anderen Ärzten und Wissenschaftlern verstärkt die Heilwirkung der Knospen erforscht und mit Erfolg angewendet. Bezugnehmend auf das lateinische Wort „gemma“ für Knospe entwickelt der französische Arzt Dr. Max Tétau (1927-2012) die Knospenmedizin unter dem Begriff "Gemmotherapie" weiter.


Knospenauszüge als Arzneimittel

Verschiedene Forscher und ihre Veröffentlichungen über den klinischen Einsatz von Knospen bereiten den Weg für die Gemmotherapie als Arzneimittel. Man kann es als großen Erfolg bezeichnen, dass im November 1965 das Herstellungsverfahren für Gemmotherapeutika in das Französische Arzneibuch, die Pharmacopée française, aufgenommen wurde.


Ein weiterer großer Erfolg ist die Aufnahme ins europäische Arzneibuch im Jahre 2011. Damit ist rechtlich gestellt, dass in allen europäischen Ländern die Gemmotherapie als Arzneimittel hergestellt und vertrieben werden kann. In Frankreich, Italien wird die Knospenmedizin schon häufig angewendet. Nun wird auch mehr und mehr in Deutschland diese Spezialform der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) bekannt.


In der Schweiz hat sich die Gemmotherapie schon seit langem etabliert und die Gemmo-Glycerinmazerate gelten als Arzneimittel.


Die Gemmotherapie zählt zwar zur Phytotherapie

Aber in 3 Punkten gibt es wesentliche Unterschiede:

  1. Für die Zubereitung der gemmotherapeutischen Pflanzenauszüge werden ausschließlich frische Knospen und junge Triebe von Bäumen, Sträuchern und einigen Stauden verwendet werden. Heute nutzt man nur noch sehr selten Samen, feine Wurzelspitzen sowie die Innenschicht von Rinden.


  2. Die Extraktion der Inhaltsstoffe erfolgt in einem Flüssigkeitsgemisch aus Alkohol, Wasser und Glyzerin.


  3. Wichtig ist auch der Zeitpunkt der Ernte, nämlich kurz bevor die Knospen austreiben, dann sind die meisten Inhaltsstoffe vorhanden.


Mehr als 50 heilkundliche Knospen-Beschreibungen

Inzwischen gibt es mehr als 50 heilkundliche Knospen-Beschreibungen.

Und zum Glück kann man heute in jeder gut sortierten Apotheke Gemmopräparate kaufen.


Meine 7 wichtigsten Knospen für Gemmomittel

Zu meinen 7 wichtigsten Knospen für die Gemmotherapie werden in den Knospen-Monographien folgende Wirkungen und Indikationen beschrieben:


1. Brombeere, Rubus fructicosus

Verwendet werden die jungen Triebspitzen / Seitenknospen, nicht die Blütenknospen.

Wirkungen, Indikationen:

geweberegenerierend bei Lungenerkrankungen, bei Gelenkbeschwerden, Arthrose im Alter, schmerzhafte Osteoporose, Rheuma, Bluthochdruck, erhöhter Blutzuckerspiegel, nachlassende Hirntätigkeit, Vitalitätsmangel.


2. Esche (Fraxinus excelsior)

Verwendet werden die End- und Seitenknospen.

Wirkungen, Indikationen:

diuretisch, ausleitend, allgemein entgiftend, stoffwechselanregend mit Erhöhung der Ausscheidungstätigkeit, harnsäure- und cholesterinsenkend, entzündungshemmend, schmerzlindernd, bei Ablagerungen im Bereich der Nieren und Gelenke, Gicht


3. Hasel, Gewöhnliche, Corylus avellana

Verwendet werden die End- und Seitenknospen (Blatt- und weibliche Blütenknospen).

Wirkungen, Indikationen:

stoffwechselregulierend, lyphmanregend, blutbildend, fördert die Gewebselastizität, bei chronischen Lungenbeschwerden, Bronchitis, Lungenemphysem, bei Erkrankungen der Lunge, des Blutkreislaufs und der Leber.

 

4. Heckenrose, Hundsrose (Rosa canina)

Verwendet werden die jungen Triebspitzen (Seiten- und Endknospen), nicht die Blütenknospen.

Wirkungen, Indikationen:

entzündungshemmend, immunstärkend, antiviral, schmerz- und krampflindernd, bei Hals- und Rachenschmerzen, Entzündungen der Atmungsorgane und der oberen Schleimhäute, allergischen Erkrankungen, entzündlich-rheumatische Beschwerden und arthrotische Veränderungen, Gelenksentzündungen. Zur Stärkung des Immunsystems besonders gut geeignet für Kinder, die ständig kränkeln (lymphatische Diathese).

 

5. Holunder, Schwarzer (Sambucus nigra)

Verwendet werden die jungen Triebspitzen (Blattknospen)

Wirkungen, Indikationen:

immunstimulierend, stoffwechselanregend, entgiftend, tonisierend, lymphanregend (bringt alles in Fluss), schleimlösend, fiebersenkend, entzündungshemmend, bei grippalen Infekten, starker Verschleimung der Atemwege, Allergien, unreiner und trockener Haut, Akne, Schuppenflechte, Neurodermitis, übermäßiges Schwitzen.


6. Johannisbeere, Schwarze (Ribes nigrum)

Die Knospen der schwarzen Johannisbeere sind die Nummer 1 in der Gemmotherapie. Sie sind das Gemmo-Mittel für (fast) alles!

Verwendet werden die End- und Seitenknospen.

Wirkungen, Indikationen:

tiefgreifend entgiftend, stoffwechselanregend, entzündungshemmend (obere Atemwege, Schleimhäute, Gelenke, Geschlechtsdrüsen), immunstimulierend, bei entzündlichen Erkrankungen im ganzen Körper (Basismittel), Erschöpfung, Stresszuständen, wirksames Allergie-Notfallmittel mit kortisonähnlicher Wirkung, Heuschnupfen, auch für  äußerliche Anwendungen z.B. bei Hautentzündungen, Insektenstichen.


7. Linde: Silberlinde (Tilia tomentosa), Sommerlinde (Tilia platyphyllos), 

Winterlinde (Tilia cordata)

Verwendet werden die End- und Seitenknospen.

Nach alten Überlieferungen wird nur die Silberlinde in der Knospenheilkunde verwendet. In der neuen Literatur werden auch die Knospen von Sommer- und Winterlinde genutzt, da aufgrund der gesammelten Erfahrungen die Gemmopräparate von allen Lindenknospen wirken.

Wirkungen, Indikationen:

angst-, krampf-, schmerzlösend, stimmungsaufhellend, stresstoleranzerhöhend, immunstärkend, entzündungshemmend, fiebersenkend, stoffwechselanregend, entgiftend, bei Nervosität, Stress, Schlafstörungen, Bluthochdruck, Mittel der 1. Wahl für die Psyche (von Kindern und Erwachsenen), Seelentröster, insbesondere für alle Kinderbeschwerden aufgrund innerer und äußerer Unruhe.

 

Noch mehr Knospenkunde

Knospen werden schon seit Jahrtausenden für die Gesundheit genutzt.

Lesen sie über die Lärche als Knospenmedizin, um die Gesundheit im Alter mit Gemmomazeraten unterstützen. 

Lesen Sie über essbare Knospen und gesundes Knospen-Naschen während eines Waldspaziergangs.


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